• Samstag, 01. August 2020<br/> 11.00 Uhr Coesfeld St. Jakobi- Kirche<br/><br/> Orgelkonzert

    Samstag, 01. August 2020
    11.00 Uhr Coesfeld St. Jakobi- Kirche

    Orgelkonzert

    Samstag 01. August 2020, 11.00 Uhr Sinfonische Musik von Anton Bruckner und Richard Wagner Rudolf Innig (Bielefeld) Programm Anton Bruckner Drei frühe Orchesterstücke (1862) (1824-1896) Moderato Andante Andante con moto (Transkription für Orgel von Rudolf Innig, 2018) Richard Wagner Feuerzauber (aus 'Die Walküre') (1811–1881) (Transkription für Orgel von James Rogers, 1908) Anton Bruckner Sinfonie f-Moll (1863) (Transkription für Orgel von Rudolf Innig, 2018) daraus: Scherzo: Schnell Finale: Allegro Rudolf Innig, Orgel Anders als heute war Anton Bruckner zu seiner Zeit nicht als Symphoniker, sondern vor allem als Organist bekannt. Mit 24 Jahren (1848) wurde er zum Stiftsorganisten des Augustinerklosters in St. Florian ernannt, wo er zuvor nach dem frühen Tod seines Vaters 1837 als Chorknabe aufgenommen worden war. Ab 1855 war er Organist am Dom in Linz, schließlich ab 1869 mit dem Titel 'k.u.k. Hoforganist' in Wien. Internationale Anerkennung erlangte er vor allem durch seine Improvisationen auf der Orgel, bei denen er oft mit Fantasien u.a. über Themen von Georg Friedrich Händel, Richard Wagner oder aus seinen eigenen Sinfonien glänzte. Seit seiner Kindheit war Anton Bruckner mit der großen Orgel in der Stiftskirche St. Florian vertraut, mit der er sich zeit seines Lebens -und darüber hinaus- verbunden fühlte. Mit 78 Registern und vier Manualen war sie damals die bedeutendste in der gesamten Donaumonarchie. Für 'sein' Instrument schrieb Anton Bruckner jedoch nur wenige, unbedeutende Stücke, seine monumentalen Sinfonien widmete er dem sinfonischen Orchester, nachdem er mit immensem Fleiß die dazu erforderliche Kompositions- und Instrumentationstechnik studiert hatte. Trotz seiner zeitintensiven Organistentätigkeit am Dom in Linz nahm Bruckner ein sechsjähriges 'Fernstudium' in Harmonielehre und Kontrapunkt bei dem angesehenen Theoretiker Simon Sechter in Wien auf, das er im November 1861 mit einer Prüfung abschloss. Kurz danach folgten weitere Studien bei dem 10 Jahre jüngeren Linzer Theaterkapellmeister Otto Kitzler in der freien Komposition, die ihm die entscheidenden Impulse zur Komposition sinfonischer Orchesterwerke vermittelten. Das erst 2014 veröffentliche Kitzler-Studienbuch zeichnet diese Entwicklung auf 326 Seiten mit handschriftlichen Übungen, Skizzen und Kompositionen Bruckners nach. Der zweijährige Unterricht bei dem befreundeten Kitzler endete im Frühjahr 1863 mit Bruckners ersten sinfonischen Werken, den Orchesterstücken (WAB 96 und 97), der Ouvertüre g-Moll (WAB 98) und der Sinfonie f-Moll (WAB 99, in denen die Spuren des vom Orgelspiel und Orgelklang her inspirierten Schöpfers erkennbar sind. Ein weiteres Schlüsselerlebnis für Bruckners musikalische Entwicklung war die Erstaufführung des Tannhäuser von Richard Wagner in Linz im Februar 1863, an der Bruckner mit der Einstudierung des Pilgerchores beteiligt war. Sie legte den Grundstein für seine anhaltende Bewunderung der Werke Wagners (Meister aller Meister), vor allem der Harmonik Wagners, die für seine eigenen sinfonischen Werke zum Vorbild wurde. Der amerikanische Organist und Komponist James Rogers (1857–1940) war nach seinem Studium in Berlin und Paris in Cleveland tätig. Bekannt wurde er in den USA besonders durch seine Orgeltranskriptionen, deren interessanteste die des Feuerzaubers ist. Die ergreifende Schlussszene der Walküre hat Rogers in genauer Kenntnis der Musik wie auch der klanglichen Möglichkeiten der Orgel bearbeitet. (www.rudolf-innig.de)

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  • Sonntag, 09. Augusr 2020<br/> 18.00 Uhr Bielefeld, Neustädter Marienkirche<br/><br/> Orgelkonzert

    Sonntag, 09. Augusr 2020
    18.00 Uhr Bielefeld, Neustädter Marienkirche

    Orgelkonzert

    Neustädter Marienkirche Bielefeld Sonntag, 30. August 2020, 18.00 Uhr Programm Anton Bruckner/ 'Festmusik' Rudolf Innig Fantasie nach einer Improvisationsskizze von Anton Bruckner (1890) Richard Wagner 'Feuerzauber' aus Die Walküre (1870) (1811 – 1881) (Transkription für Organ von James Rogers, 1908) Anton Bruckner Sinfonie f-Moll (1863) (1824–1896) Allegro molto vivace Andante molto Scherzo (Schnell) Finale (Allegro) (Transkription für Orgel von Rudolf Innig, 2018) Rudolf Innig, Orgel Gedanken zur Musik Anders als heute war Anton Bruckner zu seiner Zeit nicht als Symphoniker, sondern vor allem als Organist bekannt. Mit 24 Jahren (1848) wurde er zum Stiftsorganisten des Augustinerklosters in St. Florian ernannt, wo er zuvor nach dem frühen Tod seines Vaters 1837 als Chorknabe aufgenommen worden war. Ab 1855 war er Organist am Dom in Linz, schließlich ab 1869 mit dem Titel 'k.u.k. Hoforganist' in Wien. Internationale Anerkennung erlangte er vor allem durch seine Improvisationen auf der Orgel, bei denen er oft mit Fantasien u.a. über Themen von Georg Friedrich Händel, Richard Wagner oder aus seinen eigenen Sinfonien glänzte. Seit seiner Kindheit war Anton Bruckner mit der großen Orgel in der Stiftskirche St. Florian vertraut, mit der er sich zeit seines Lebens -und darüber hinaus- verbunden fühlte. Mit 78 Registern und vier Manualen war sie damals die bedeutendste in der gesamten Donaumonarchie. Für 'sein' Instrument schrieb Anton Bruckner jedoch nur wenige, unbedeutende Stücke, seine monumentalen Sinfonien widmete er dem sinfonischen Orchester, nachdem er mit immensem Fleiß die dazu erforderliche Kompositions- und Instrumentationstechnik studiert hatte. Trotz seiner zeitintensiven Organistentätigkeit am Dom in Linz nahm Bruckner ein sechsjähriges 'Fernstudium' in Harmonielehre und Kontrapunkt bei dem angesehenen Theoretiker Simon Sechter in Wien auf, das er im November 1861 mit einer Prüfung abschloss. Kurz danach folgten weitere Studien bei dem 10 Jahre jüngeren Linzer Theaterkapellmeister Otto Kitzler in der freien Komposition, die ihm die entscheidenden Impulse zur Komposition sinfonischer Orchesterwerke vermittelten. Das erst 2014 veröffentliche Kitzler-Studienbuch zeichnet diese Entwicklung auf 326 Seiten mit handschriftlichen Übungen, Skizzen und Kompositionen Bruckners nach. Der zweijährige Unterricht bei dem befreundeten Kitzler endete im Frühjahr 1863 mit Bruckners ersten sinfonischen Werken, den Orchesterstücken (WAB 96 und 97). der Ouvertüre g-Moll (WAB 98) und der Sinfonie f-Moll (WAB 99). Am 15. Februar 1863, zwei Tage nach der Linzer Erstaufführung des Tannhäuser, an der Bruckner mit der Einstudierung des Pilgerchores beteiligt war, begann er mit der Instrumentierung des ersten Satzes der Sinfonie f-Moll (WAB 99). Allein die 28 Themenentwürfe zum ersten Satz zeigen, mit welchem Elan Bruckner an diese Sinfonie heranging, die zugleich Ziel und Abschluss seiner Studien bei Otto Kitzler war. Dies erklärt auch, dass er trotz seiner zeitintensiven Organistentätigkeit am Dom in Linz bereits Ende Mai die Arbeit an der Sinfonie beendet hatte. Umso mehr war er enttäuscht, als Otto Kitzler sie als nicht besonders inspiriert bezeichnete, eine Beurteilung, die aus heutiger Sicht als ungerechtfertigt erscheint. Dennoch bemühte Bruckner sich mehrere Jahre lang um eine Aufführung, die aber nie zustande kam. Später gliederte er sie aus der Reihe seiner gezählten Sinfonien aus. Bei der letzten Revision seiner Werke in den frühen 1890er Jahren in Wien schrieb er über die Partitur sogar Schularbeit. Deshalb wird sie heute oft als Studiensinfonie bezeichnet und selten aufgeführt. Bei unvoreingenommener Betrachtung zeigt diese Sinfonie des bereits 39jährigen Komponisten jedoch die gleiche kompositionstechnische Souveränität wie die zwei Jahre später entstandene erste Sinfonie c-Moll. In den Strukturen der f-Moll Sinfonie sind (ähnlich wie in der Ouvertüre g-Moll) Einflüsse des Improvisierens auf der Orgel in Bruckners musikalischem Denken erkennbar. Der amerikanische Organist und Komponist James Rogers (1857–1940) war nach seinem Studium in Berlin und Paris (bei Alexandre Guilmant und Charles Marie Widor) als Organist in Cleveland und als Dozent am Oberlin Conservatory tätig. Bekannt wurde er in den USA besonders durch seine Orgeltranskriptionen, deren interessanteste die des Feuerzaubers aus der Walküre von Richard Wagner ist. Die ergreifende Schlussszene der Walküre hat Rogers in genauer Kenntnis der Musik wie auch der klanglichen und spieltechnischen Möglichkeiten der Orgel bearbeitet. Aus Anlass einer Hochzeit am kaiserlichen Hof in Bad Ischl entwarf der Hoforganist Anton Bruckner eine Improvisationsskizze als 'Festmusik' von insgesamt fast 70 Takten, die vor allem auf Themen aus dem Finale seiner ersten Sinfonie basierte, die er am Ende auch mit dem 'Halleluja' von Händel und der Kaiserhymne kombinieren wollte. In meiner Fantasie beschränke ich mich auf die Themen aus der ersten Sinfonie von Anton Bruckner. (www.rudolf-innig.de)

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  • Dienstag, 18. August 2020<br/> 20:00 Uhr  St. Florian<br/><br/> Orgelkonzert

    Dienstag, 18. August 2020
    20:00 Uhr St. Florian

    Orgelkonzert

    St. Florian - Stiftskirche Bruckner-Fest 2020 Dienstag, 18. August 2020 Lange Nacht der Orgelmusik Anton Bruckner Sinfonie f-Moll (1863) (1824-1896) Allegro molto vivace Andante molto Scherzo (Schnell) Finale (Allegro) Rudolf Innig, Orgel (www.rudolf-innig.de) Gedanken zur Musik Anders als heute war Anton Bruckner zu seiner Zeit nicht als Symphoniker, sondern vor allem als Organist bekannt. Mit 24 Jahren (1848) wurde er zum Stiftsorganisten des Augustinerklosters in St. Florian ernannt, wo er zuvor nach dem frühen Tod seines Vaters 1837 als Chorknabe aufgenommen worden war. Ab 1855 war er Organist am Dom in Linz, schließlich ab 1869 mit dem Titel 'k.u.k. Hoforganist' in Wien. Internationale Anerkennung erlangte er vor allem durch seine Improvisationen auf der Orgel, bei denen er oft mit Fantasien u.a. über Themen von Georg Friedrich Händel, Richard Wagner oder aus seinen eigenen Sinfonien glänzte. Seit seiner Kindheit war Anton Bruckner mit der großen Orgel in der Stiftskirche St. Florian vertraut, mit der er sich zeit seines Lebens -und darüber hinaus- verbunden fühlte. Mit 78 Registern und vier Manualen war sie damals die bedeutendste in der gesamten Donaumonarchie. Für 'sein' Instrument schrieb Anton Bruckner jedoch nur wenige, unbedeutende Stücke, seine monumentalen Sinfonien widmete er dem sinfonischen Orchester, nachdem er mit immensem Fleiß die dazu erforderliche Kompositions- und Instrumentationstechnik studiert hatte. Trotz seiner zeitintensiven Organistentätigkeit am Dom in Linz nahm Bruckner ein sechsjähriges 'Fernstudium' in Harmonielehre und Kontrapunkt bei dem angesehenen Theoretiker Simon Sechter in Wien auf, das er im November 1861 mit einer Prüfung abschloss. Kurz danach folgten weitere Studien bei dem 10 Jahre jüngeren Linzer Theaterkapellmeister Otto Kitzler in der freien Komposition, die ihm die entscheidenden Impulse zur Komposition sinfonischer Orchesterwerke vermittelten. Das erst 2014 veröffentliche Kitzler-Studienbuch zeichnet diese Entwicklung auf 326 Seiten mit handschriftlichen Übungen, Skizzen und Kompositionen Bruckners nach. Der zweijährige Unterricht bei dem befreundeten Kitzler endete im Frühjahr 1863 mit Bruckners ersten sinfonischen Werken, den Orchesterstücken (WAB 96 und 97). der Ouvertüre g-Moll (WAB 98) und der Sinfonie f-Moll (WAB 99). Am 15. Februar 1863, zwei Tage nach der Linzer Erstaufführung des Tannhäuser, an der Bruckner mit der Einstudierung des Pilgerchores beteiligt war, begann er mit der Instrumentierung des ersten Satzes der Sinfonie f-Moll (WAB 99). Allein die 28 Themenentwürfe zum ersten Satz zeigen, mit welchem Elan Bruckner an diese Sinfonie heranging, die zugleich Ziel und Abschluss seiner Studien bei Otto Kitzler war. Dies erklärt auch, dass er trotz seiner zeitintensiven Organistentätigkeit am Dom in Linz bereits Ende Mai die Arbeit an der Sinfonie beendet hatte. Umso mehr war er enttäuscht, als Otto Kitzler sie als nicht besonders inspiriert bezeichnete, eine Beurteilung, die aus heutiger Sicht als ungerechtfertigt erscheint. Dennoch bemühte Bruckner sich mehrere Jahre lang um eine Aufführung, die aber nie zustande kam. Später gliederte er sie aus der Reihe seiner gezählten Sinfonien aus. Bei der letzten Revision seiner Werke in den frühen 1890er Jahren in Wien schrieb er über die Partitur sogar Schularbeit. Deshalb wird sie heute oft als Studiensinfonie bezeichnet und selten aufgeführt. Bei unvoreingenommener Betrachtung zeigt diese Sinfonie des bereits 39jährigen Komponisten jedoch die gleiche kompositionstechnische Souveränität wie die zwei Jahre später entstandene erste Sinfonie c-Moll. In den Strukturen der f-Moll Sinfonie sind (ähnlich wie in der Ouvertüre g-Moll) Einflüsse des Improvisierens auf der Orgel in Bruckners musikalischem Denken erkennbar. So fällt bei den Themen des ersten Satzes die Häufung von Unregelmäßigkeiten in der Periodenbildung auf. Nirgendwo finden sich in dieser Sinfonie die für ihn so charakteristischen metrischen Ziffern, jenes spezielle 'Gerüst', mit dessen Hilfe er später die musikalische Architektur seiner monumentalen Formen schuf. Das Hauptthema des ersten Satzes hat 'nur' sieben Takte, der Seitensatz (in Bruckners Terminologie Gesangsperiode, T. 85) hingegen neun. Wie in der Ouvertüre ist auch hier die aus der Umkehrung des Kopfmotives gewonnene Übergangsgruppe (T. 62) nicht von 'thematischer Arbeit', sondern von sequenzierten Motivgruppen und Wiederholungsbildungen geprägt. Die in T. 146 beginnende Schlussgruppe weist mit ihren zwei verschiedenen Themen ebenfalls Unregelmäßigkeiten auf. Bruckner selbst sprach übrigens nie (wie im heutigen Sprachgebrauch üblich) von einem dritten Thema. Dramatischer Höhepunkt des ersten Satzes ist die Coda: Sie beginnt in T. 561 im Mezzoforte trugschlüssig mit dem Kopfmotiv und steigert sich zu einem Fortissimo-Ausbruch des Orchesters, der mit einer Generalpause (T. 602) abbricht. Wie aus der Ferne erklingt danach in einer viertaktigen Parenthese ein Hornsolo in der Vergrößerung des Kopfmotives, bevor es (nun in Engführungen und Diminutionen) erneut im Fortissimo des vollen Orchesters hervorbricht und in einen mitreißenden Schluss von elementarer Wucht mündet. Ganz ähnlich hat Bruckner die Coda seiner kurz darauf entstandenen ersten Sinfonie c-Moll gestaltet. Andante molto lautet die Tempobezeichnung des zweiten Satzes in Es-Dur, der erste der für Bruckner so charakteristischen, feierlich langsamen Sätze seiner Sinfonien. Beide Themen des ersten Teils werden von Vorhaltsbildungen geprägt, wobei das erste mit seinen zögernd sich vorwärtstastenden punktierten Rhythmen und den dreimaligen Vorhalten vor den Tönen des Es-Dur Dreiklanges die gleiche Struktur hat wie die Cellokantilene zu Beginn der Ouvertüre. In der variierten Wiederkehr des ersten Teils erscheint das zweite Thema nicht mehr in der Dominante, sondern in der Tonika Es-Dur. Die ausgedehnte Coda endet in einem verklingenden Hornsolo nochmals mit dem dreifachen Vorhalt des Anfanges. Die ersten Entwürfe zum Scherzo hat Bruckner bereits im Januar 1863 im Zusammenhang mit den Skizzen zum ersten Satz notiert. Daraus entstand im April ein konzentrierter monothematischer Sonatensatz von nur 90 Takten. Das Thema im Dreivierteltakt und mit der Tempobezeichnung Schnell erklingt anfangs wie aus der Ferne im kammermusikalischen Dialog zwischen Holzbläsern und Streichern, steigert sich dann aber zum Ende des ersten Teils in einem sinfonischen 'Kraftausbruch' des ganzen Orchesters im Fortissimo. Hier hört man erstmals den Komponisten, der in seinen späteren Scherzi 'mit Felsen zu würfeln' scheint. Im Trio steht die Terzenseligkeit des Themas in den Holzbläsern im Kontrast zu der raffinierten Asymmetrie der Satzperioden. Auch dem Finale liegt die Sonatenform zugrunde, ein energisches Hauptthema im Fortissimo des Orchesters eröffnet den Satz. Die Gesangsperiode (T. 60), ein lyrisches Seitenthema in der Paralleltonart As-Dur zeichnet sich -wie schon zuvor das Hauptthema der Ouvertüre- durch einen obligaten Kontrapunkt aus, in der Schlussgruppe gibt es wie im ersten Satz zwei verschiedene Themenbereiche (T. 92 und T. 118). Bruckners Sinfonien haben von Anfang an einen ausgeprägten Finalcharakter, schon hier ist die Tendenz, Gedanken aus den früheren Sätzen wieder aufzugreifen und kontrapunktisch miteinander zu verbinden, in Ansätzen zu finden. Die Sinfonie f-Moll ist auf das nach F-Dur gewendete Stretta-Finale ausgerichtet, in dem Bruckner zudem einen choralartigen Gedanken aus seiner d-Moll Messe zitiert. Auch die unvollendet gebliebene neunte Sinfonie d-Moll sollte mit einem ähnlichen Zitat schließen. Die Sinfonie ist in zwei Handschriften überliefert, die beide digitalisiert unter www.bruckner-online.at einsehbar sind. Das Autograph befindet sich im Stift Kremsmünster, die Abschrift in der Wiener Stadtbibliothek. Von Bruckners Skizzen zu dieser Sinfonie sind nur einige Themenentwürfe im sogenannten Kitzler-Studienbuch erhalten. Die Uraufführung fand erst 1913 im Stift Klosterneuburg statt. (www.rudolf-innig.de)

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Orgelkonzert Krefeld

Lutherkirche

Sonntag, 1. November 2015, 17.00 Uhr

Programm

 

Georg Friedrich Händel        Orgelkonzert B – Dur op. 4 Nr. 6 (1735/1887)

(1685 – 1759)                                   

                                                           Allegro

                                                           Larghetto

                                                           Andante

                        Bearbeitung für Orgel Solo von Samuel de Lange (1840 – 1911)

Robert Schumann                 Vier Skizzen (1845)

(1810 – 1856)                                   

                                                           Nicht schnell und sehr markiert

                                                           Nicht schnell und sehr markiert

                                                           Lebhaft

                                                           Allegretto

Anton Bruckner                    Vier Stücke für Orchester (1862)

(1824–1896)                                     

                                                           Marsch (Allegro risoluto)

                                                          Moderato

                                                           Andante

                                                           Andante con moto

                                                           (Transkription für Orgel von Rudolf Innig)

Felix Mendelssohn                Sonate f - Moll op. 65 Nr. 1 (1844)

(1809–1847)                                     

                                                           Allegro moderato e serioso über den Choral:

                                                           "Was mein Gott will, das gescheh' allzeit"

                                                           Adagio

                                                           Andante recitativo

                                                           Allegro assai vivace

Rudolf Innig, Orgel

Gedanken zum Programm

Mit seinen sechs Orgelkonzerten op. 4 verband Georg Friedrich Händel im Jahre 1735 in London zwei Ziele: Sie waren einerseits als musikalische Intermezzi für das Publikum während der Pausen in seinen Opern und Oratorien gedacht, andererseits wollte und musste er seinen Ruf als einer der führenden Virtuosen in London festigen. Form und Stil dieser drei- bis viersätzigen Orgelkonzerte hatte er bereits früh in Italien (1706–1710) kennengelernt, zum Teil sind sie Umarbeitungen eigener Instrumentalwerke. Der Erfolg seiner Orgelkonzerte op. 4 war so groß, dass Händel bald eine weitere Sammlung von sechs Konzerten (op. 7) hinzufügte. Und am Ende des 18. Jh. waren seine Orgelkonzerte die am häufigsten gedruckten Werke überhaupt. Auch im 19. und 20. Jh. hielt die Begeisterung an: Mehrere englische und französische Komponisten schufen Fassungen für Orgel solo dieser ursprünglich für Orgel und Orchester gedachten Konzerte.

Die hier zu Beginn erklingende Bearbeitung des Konzertes B–Dur op. 4 Nr. 6 stammt von dem holländischen Komponisten Samuel de Lange (1840–1911), der Händels Musik im Geiste des 19. Jh. mit virtuosen Passagen und Kadenzen 'anreicherte'.

Auch Robert Schumann (1810-1856) teilte die Begeisterung für die Musik der alten Meister. Ihm war besonders Johann Seb. Bach ein leuchtendes Vorbild, dem er in seinen Sechs Fugen über den Namen BACH op. 60 im Jahre 1845 ein musikalisches Denkmal setzte. Im gleichen Jahr entstanden auch seine Vier Skizzen op. 58, Stücke verschiedenen Charakters, ursprünglich für seinen häuslichen Pedalflügel geschrieben, auf dem Schumann Orgel zu üben pflegte.

Anton Bruckner wurde 1837 im Alter von 13 Jahren im Chorherrenstift in St. Florian als Sängerknabe aufgenommen, nachdem seins Vater plötzlich gestorben war. In der dortigen Stiftskirche lernte er die große, dreimanualige Orgel kennen, die mit ihren 74 Registern zu den bedeutendsten Instrumenten in Österreich zählte. Während seiner Tätigkeit als Organist am Dom in Linz (1855-1868) vermittelte ihm der dortige Kapellmeister am Theater Otto Kitzler die entscheidenden Impulse zur Komposition sinfonischer Orchesterwerke. Die vier Orchesterstücke (WAB 96 und 97) sind die frühesten Kompositionen für Sinfonieorchester von Anton Bruckner. Sie entstanden zwischen dem 12. Oktober und 16. November 1862 im Rahmen der Zusammenarbeit mit Otto Kitzler, mit dem Bruckner zeit seines Lebens befreundet blieb. Es sind kurze Charakterstücke für sinfonisches Orchester, die zwar keinen inneren Zusammenhang aufweisen, aber von Beginn an interessante Einblicke in Bruckners kompositorisches Denken geben, das vom Orgelspiel her geprägt ist. Dies zeigt sich etwa in seiner Neigung, die einzelnen Orchestergruppen blockhaft (wie Orgelregister) zu verwenden, in der Tendenz, Motive durch Sequenzierung weiter zu führen, oft in Verbindung mit terrassenförmig angelegten Steigerungen (im Sinne von Manualwechseln) oder in übergangslosen dynamischen Kontrasten (als Möglichkeit zum Registerwechsel).

Felix Mendelssohn hatte mit der Aufführung der Matthäuspassion von Johann Seb. Bach im Jahre 1829 das wiedererwachte Interesse an der Musik des Leipziger Thomaskantors ausgelöst. Im Jahre 1845 gelang ihm mit der Veröffentlichung seiner Sechs Orgelsonaten op. 65 gleichzeitig in vier europäischen Musikverlagen ein weiterer spektakulärer Erfolg. Seine Orgelsonaten waren nicht nur etwas Neues, sondern auch etwas Neuartiges, eine zukunftsweisende Verbindung der von Kirche und Liturgie geprägten Tradition in der Orgelmusik und dem zeitgenössischen, von virtuoser Klaviermusik beeinflussten Stil. Aus heutiger Sicht kann man zugespitzt sagen, dass die Orgelmusik im 19. Jh. erst mit diesen Orgelsonaten von Felix Mendelssohn begann.

Die Sonate f–Moll op. 65 Nr. 1 ist mit ihren vier Sätzen die längste der sechs Sonaten. Die Formidee des ersten Satzes basiert auf einem Rezitativ aus der Matthäuspassion von J. S. Bach (O Schmerz, hier zittert das gequälte Herz), das ebenfalls in f–Moll steht. In dem breit angelegten Sonatensatz kontrastiert das ernste Hauptthema, das erst nach einer zehntaktigen Einleitung im Fortissimo und Allegro moderato e serioso einsetzt, mit dem Seitensatz, der im Piano den Choral Was mein Gott will, das gescheh’ allzeit zitiert. Wie zur Beruhigung antwortet auf diesen dramatischen Beginn der zweite Satz Adagio in As–Dur mit einem Lied ohne Worte. Der dritte Satz greift den Kontrast des Anfanges wieder auf und stellt in einem Dialog (Andante recitativo) einzelne, individuelle Stimmen dem kollektiven Fortissimo der Orgel gegenüber. Erst das Finale bringt endlich, verbunden mit einem Tonartwechsel nach F–Dur, die Auflösung dieser Spannungen und führt in virtuosen Passagen zu einer hymnischen Schlusssteigerung, in der Motive aus dem Hauptthema des ersten Satzes, nun nach Dur gewendet, anklingen.                                                                        (www.rudolf-innig.de)