Poznan (Posen)       

 

Stadtkirche

 

Donnerstag, 16. Juli 2026, 17.00 Uhr

 

Programm 

 

Johannes Brahms         Präludium und Fuge g-Moll (1857)

(1833–1897)

 

Anton Bruckner           Drei Orchesterstücke WAB 97 (1862)

(1824-1896)                   Moderato

                                      Andante

                                      Andante con moto

                                      (Transkription für Orgel von Rudolf Innig, 2018)

 

Felix Nowowiejski        Sinfonie e–Moll op. 45 Nr. 5 (1929)

(1877 – 1946)               

                                      Allegro serioso

                                      Andante ('Stella matutina' - 'Morgenstern')

                                      Passacaglia

 

Rudolf Innig, Orgel

(www.rudolf-innig.de)

 

Gedanken zum Programm

Johannes Brahms würde man heute als einen frühen ‚Experte für Alte Musik‘ bezeichnen: Er befasste sich intensiv mit der vokalen Mehrstimmigkeit des 16. Jahrhunderts und bearbeitete alte Volkslieder. Vor allem zählte er zu den Herausgebern der neunbändigen Ausgabe der Orgelwerke Bachs, die ab 1837 im Peters-Verlag in Leipzig erschien und heute noch erhältlich ist. Sein Präludium und Fuge g-Moll zeugt von der genauen Kenntnis des gleichnamigen Orgelstückes von Bach (BWV 535), die mitunter bis in die Nähe von Zitaten reicht.

Von Anton Bruckner sind keine nennenswerten Kompositionen für Orgel überliefert, nur einige wenige kurze Fugen, die er 1861 am Ende eines sechsjährigen Studiums in Harmonielehre und Kontrapunkt bei Simon Sechter in Wien schrieb. Danach inspirierte ihn die Musik Richard Wagners zur Komposition sinfonischer Orchestermusik. Zu einem Schlüsselerlebnis wurden für ihn die Aufführungen der Oper Tannhäuser im Frühjahr 1863 in Linz, bei denen er als Chordirigent mitwirkte. Sein Freund, der dortige Theaterkapellmeister Otto Kitzler vermittelte ihm seit dem Herbst 1861 die entscheidenden Impulse zur Komposition sinfonischer Werke. Die hier erklingenden Drei Orchesterstücke (1862) sind Bruckners erste sinfonische Orchesterwerke. Es sind kurze dreiteilige Charakterstücke in A-B-A -Form, die schon die typischen Merkmale seiner späteren großen Sinfonien erkennen lassen.

Der Name des polnischen Komponisten Felix Nowowiejski (1877-1946) hätte heute in der spätromantischen sinfonischen Orgelmusik einen ähnlich glänzenden Klang wie der von Charles-Marie Widor (1844-1937) oder Louis Vierne (1870-1937), wenn es den Zweiten Weltkrieg mit seinen Schrecken und der folgenden, fast 50 Jahre andauernden Teilung Europas durch den Eisernen Vorhang nicht gegeben hätte. In seinen Orgelwerken, vor allem in seinen neun Orgelsinfonien op. 45 und den Vier Konzerten für Orgel Solo op. 56 verbinden sich die Einflüsse der deutschen Musiktradition (Nowowiejski lebte viele Jahre in Berlin und studierte dort Komposition bei Max Bruch) und der sinfonischen französischen Orgelmusik, die er in Paris kennengelernt hatte, mit der charakteristischen polnischen Melancholie. Seine neun Sinfonien zählen zu den bedeutendsten Werken der spätromantischen sinfonischen Orgelliteratur.

Die Sinfonie e-Moll op. 45 Nr. 5 beginnt mit einem ausgedehnten Sonatensatz. Dem Hauptthema im Fortissimo stellt Nowowiejski als zweites Thema im Piano den polnischen den 91. Psalm ('Wer im Schutz des Höchsten wohnt') mit seinem charakteristischen Sekundschritt gegenüber. Die stark fugierte Durchführung wird vor allem vom Hauptthema geprägt. In der Reprise erklingen beide Themen gleichzeitig, zum Teil verbunden mit sehr virtuosen Passagen. Der Satz endet im Organo Pleno mit einem Zitat beider Themen.

Der zweite Satz 'Andante' changiert zwischen e- und a-Moll, sein Hauptmotiv erinnert an den ersten Satz.

Im dritten Satz greift Nowowiejski zum ersten und einzigen Mal in seiner sinfonischen Orgelmusik die barocken Form der Passacaglia auf. Johann Sebastian Bach, Josef Gabriel Rheinberger oder Max Reger komponierten Meisterwerke für die Orgel in dieser Variationsform. Nach einer feierlichen akkordischen Introduktion im Organo Pleno stellt Nowowiejski sein achttaktiges Thema im Pianissimo im Bass vor und entwickelt daraus 16 Variationen unterschiedlichsten Charakters, wobei die letzte das Thema ungewöhnlicherweise mit brillanten Pedal-Kadenzen kombiniert. Eine kurze Coda erinnert im verlangsamten tempo an das Hauptthema des ersten Satzes.                                               (Dr. Rudolf Innig)