Musikschule Coesfeld
Samstag, 16. Mai 2026, 17.00 Uhr
Orchestersaal
Konzert für zwei Klaviere
Dimitri Schostakowitsch Concertino a-Moll op.94 (1953)
(1906-1975)
Cécile Chaminade Le Matin et le Soir op. 79 (1895)
(1857-1944)
Pause
Johannes Brahms Variationen über ein Thema von
(1833-1897) Joseph Haydn op. 56 b (1874)
Darius Milhaud Scaramouche op. 165 b (1937)
(1892-1974)
Anne Schreiber und Rudolf Innig, Klavier
Gedanken zum Programm
Musik für zwei Klaviere ist etwas wesentlich Anderes als vierhändige Klaviermusik: Während bei der vierhändigen Klaviermusik der Klangbereich der 88 Tasten 'nur' besser ausgenutzt wird, ergeben sich bei zwei Flügeln ganz andere konzertant-musikalische Strukturen der Musik, die bis in den sinfonischen Bereich hinein reichen. In den vier in diesem Programm erklingenden Werken wird dies exemplarisch deutlich.
Das einsätzige Concertino a-Moll schrieb Dimitri Schostakowitsch 1953 für seinen 16jährigen Sohn Maxim, mit dem er es auch mehrfach aufgeführt hat. Das erste Klavier tritt hier solistisch hervor, während das zweite die Rolle des begleitenden Orchesters hat. In der Adagio-Einleitung erklingen zwei gegensätzliche Themen, ein Unisono-Thema im Fortissimo und ein choralartiges Piano-Thema. Der anschließende Allegretto-Teil hat ebenfalls zwei kontrastierende Themen, die von Adagio-Einschüben unterbrochen werden.
Die französische Komponistin und Pianistin Cécile Chaminade war jenseits des Rheins ähnlich bekannt wie Clara Schumann in Deutschland: als eine der wenigen Frauen, denen es gelang, in der männer-dominierten (Musik-) Welt internationale Bekanntheit zu erlangen. Als pianistisches Wunderkind war sie bereits in ihrer Jugend nicht nur in Frankreich bekannt, Konzerte führten sie am Ende des 19. Jahrhunderts nach England, Kanada und in die USA. Ihre beiden Stücke Le Matin und Le Soir sind meisterliche Stimmungsbilder des französischen Impressionismus.
Die Variationen über ein Thema von Joseph Haydn gehören zu den bekanntesten Werken von Johannes Brahms, sie sind sein einziges Stück, das er sowohl in der (bekannteren) Fassung für Sinfonieorchester wie auch für zwei Klaviere veröffentlicht hat. In den einzelnen, im Ausdruck sehr verschiedenartigen, Variationen verbinden sich geniale musikalische Ideen mit strenger Kompositionstechnik. So beruht das sorgfältig ausgearbeitete Finale auf einem vom Thema abgeleiteten fünftaktigen ostinaten Bass, der verschiedene Male abgewandelt wird, bevor in einer brillanten Coda noch einmal das Anfangsthema scheint.
Die Musik von Darius Milhaud basiert zum großen Teil auf der Bühnenmusik zu der Komödie Der fliegende Arzt von Moliere, die er 1937 zu der dreisätzigen Suite Scaramouche umformte. Der Titel ist angelehnt an die komische Figur Scaramuccia (Angeber) aus der italienischen Commedia dell‘ arte. Die Musik ist geprägt von gesanglichen Melodien, bitonalen Passagen und vom Latin Jazz, den Milhaud zuvor als Attaché des französischen Botschafters Paul Claudel in Rio de Janeiro kennengelernt hatte. Ein großes Vergnügen für Zuhörende und Ausführende! (Dr. Rudolf Innig)