Mettmann St. Lambertus

Sonntag, 14. Juni 2026, 17.00 Uhr

Programm

 

Johannes Brahms Präludium und Fuge g-Moll (1857)

(1833-1897)

Robert Schumann Vier Skizzen op. 58 (1845)

(1810-1856)                       

                                               Nicht schnell und sehr markiert

                                               Nicht schnell und sehr markiert

                                               Lebhaft

                                               Allegretto

Richard Wagner             Feuerzauber  aus  Die Walküre (1870)

(1813 – 1881)                    Transkription für Orgel von Rudolf Innig

 

Max Reger                     Fantasie und Fuge über B-A-C-H op. 46 (1900)

(1873-1916)

Rudolf Innig, Orgel

(www.rudolf-innig.de)

Gedanken zum Programm

Johannes Brahms würde man heute als einen der ersten Experten für Alte Musik bezeichnen. Er befasste sich intensiv mit der vokalen Mehrstimmigkeit des 16. Jahrhunderts und bearbeitete alte Volkslieder. Zudem bleibt er in Erinnerung als einer der Herausgeber der neunbändigen Ausgabe der Orgelwerke Bachs, die ab 1837 im Peters-Verlag in Leipzig erschien und noch heute erhältlich ist. Sein Präludium und Fuge g-Moll zeugt von der genauen Kenntnis des gleichnamigen Orgelstückes von Bach (BWV 535), die mitunter bis in die Nähe von Zitaten reicht.

Auch Robert Schumann war durch die durch Felix Mendelssohn initiierte Wiederentdeckung der Musik Johann Sebastian Bachs inspiriert: Von einem Klavierbauer ließ er sich in Dresden eine Pedaltastatur unter seinem Flügel anbringen, um zuhause nicht nur auf dem Klavier, sondern auch Orgelüben zu können. Für diesen Pedalflügel komponierte er neben den Sechs Fugen über den Namen B-A-C-H op. 60 auch die Vier Skizzen op. 58, kurze Charakterstücke in dreiteiliger A-B-A Form. 

Für Anton Bruckner war Richard Wagner der bedeutendste Komponist seiner Zeit - der Meister aller Meister- wie er ihn nannte. Ihn interessierten jedoch weder Wagners Textbücher noch die Inszenierungen seiner Musikdramen, sondern ausschließlich dessen Musik, hier vor allem seine harmonischen Neuerungen mit ihrer Vorliebe für Akkordverbindungen, die bis in entlegene Tonarten reichten.

Die Schlussszene aus der Walküre wurde deshalb zu einem seiner Lieblingsstücke: In ihr versetzt Wotan seine Tochter Brünnhilde in einen Tiefschlaf und schließt sie in einem Feuerring ein. Wagner illustriert diese Handlung mit einigen seiner raffiniertesten Leitmotive. So besteht das zu Beginn in Halbenoten erklingende Schlummermotiv aus einer absteigenden chromatischen Tonleiter, deren Harmonien keine Orientierung mehr zulassen. Den Feuergott Loge stellt Wagner dagegen in schnellen Sechzehntelpassagen dar, deren Klänge sich ebenso einer genauen Wahrnehmung entziehen.

Max Regers Fantasie und Fuge über B-A-C-H ist das kühnste und monumentalste unter den Orgelwerken, die im 19. Jahrhundert Johann Sebastian Bach gewidmet wurden. Die vier Töne des berühmten Namenssymbols erklingen in der Fantasie in fünf verschiedenen Tondauern (von der Halbenote bis zum Zweiunddreißigstel): In ihren drei Steigerungsabschnitten sind sie in allen Stimmen präsent und reichen von einem chromatisch gefärbten Hintergrund bis zum Super-Cantus-Firmus im Pedal, der sie im Fortissimo quasi in Stein meißelt.

Als würdiges klingendes Denkmal für den Leipziger Thomaskantor kam für Max Reger nur eine Doppelfuge in Betracht. Johann Sebastian Bach selbst war es bekanntlich nicht vergönnt, die letzte Fuge seines monumentalen 18-sätzigen Zyklus Kunst der Fuge zu vollenden, nachdem er das erste Fugenthema mit den Tönen seines Namens zu einer Doppelfuge verbunden hatte. Regers fünfstimmige Doppelfuge erklingt anfangs sehr leise und langsam, quasi im alten Stil. Erst mit der durchgehenden Achtelbewegung des zweiten Themas beschleunigt sich das Tempo immer mehr, bis die Fuge im Fortissimo abbricht und - nach einer Generalpause -mit einer letzten Proklamation des Namens B-A-C-H in den Oberstimmen endet.                                                                                                                                                                                                     

 (Dr. Rudolf Innig)