Bruckner – Orgelalbum

Anton Bruckners frühe Orchesterstücke (WAB 96 und 97) sind keine Jugendwerke. Er schrieb sie 1862 im Alter von fast 40 Jahren am Ende seiner Studien bei Otto Kitzler. Es sind kurze ‚Charakterstücke für Orchester‘ in der dreiteiligen Liedform (A–B–A), quasi seine ‚sinfonischen Etüden‘. Die Ouvertüre g-Moll, sein erster Sonatensatz, gibt zudem Einblicke in charakteristische Formprinzipien: Zwar orientiert sich Bruckner an der traditionellen Sonatenform, aber abweichend davon zielt sein Sonatensatz auf das Ende des Stückes, an dem das Hauptthema überraschend in neuer Gestalt erklingt.

Zweifellos sind hier die Einflüsse der Orgelmusik in Bruckners kompositorischem Denken zu spüren: Der als Orgelimprovisator bekannte Komponist behandelt die einzelnen Orchestergruppen bei Klangwechseln oft blockhaft wie Orgelregister; motivische Entwicklungen führt der häufig als Sequenzen weiter und verbindet sie mit terrassenförmig angelegten Steigerungen (Manualwechsel) oder übergangslosen dynamischen Kontrasten (Registerwechsel).

Rudolf Innig studierte in Detmold, Köln und Paris. Er war Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes und Preisträger verschiedener Orgelwettbewerbe. Seine zahlreichen CD- und SACD-Einspielungen mit sämtlichen Orgelwerken von Brahms, Barber, Lachner, Mendelssohn, Messiaen, Rheinberger und Schumann wurden mit internationalen Schallplattenpreisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik, dem Cannes-Classical-Award und dem Echo-Klassik-Preis. Seine 2012 begonnene Beschäftigung mit den frühen sinfonischen Werken von Anton Bruckner führte zu Orgeltranskriptionen dieser Werke (WAB 96–101), einer SACD-Einspielung im Jahre 2019 (https://www.mdg.de) und 2022 zu seiner Promotion zum Dr. phil. mit einer Dissertation über Anton Bruckners Weg zum Symphoniker (https://vpe-web.de). (www.rudolf-innig.de)